gb 2017 – teil 2

Was war am Montag? Ich kann Euch beim besten Willen nicht mehr sagen, was eigentlich am Montag war. Ist das ein grundsätzlich gutes Zeichen? Schon irgendwie, oder? Ereignisarm und menschenleer. Das ist gut. Im Zweifelsfall saß ich auf der Couch, las ein Buch und betrachtete das Meer. Wir entdeckten irgendwann diese Woche am Strand den Kadaver eines 5m langen Hais. Sagen wir einfach, dass das am Montag war, dann ist der Tag nicht so leer, ok?

Für Dienstag hatten unsere Fähre nach Islay gebucht. Unser eigener kleiner Whiskytrail und was soll ich sagen? Früh aufstehn im Urlaub ist schon ziemlich daneben, aber man überlegt sich was dazu und nimmt dann eben die frühe Fähre. Obgleich die Insel nicht sehr groß ist, möchte man dort etwas Zeit haben und hätte gerne den ganzen Tag. Da die Fahrt zwei Stunden dauert nimmt man die früheste Fähre – die legt um 07.00 Uhr ab. Späteste Boarding-Time ist 06.30 Uhr und der Hafen ist ca. 30 Autominuten entfernt von unserer Hütte. Noch Fragen?

Die Fähre war nagelneu und menschenleer. Pünktlich abgelegt, strahlender Sonnenschein und ab zur Whiskyinsel – und eines nehme ich gleich vorweg: Viel mehr als Whisky sollte man hier auch nicht erwarten. Am Hafen von Port Ellen hat man die Wahl: 5 Minuten bis Ardbeg, Lagavulin und Laphroaig oder 15 Minuten bis Bowmore. Wir machten die kurze Runde und in unserm Tross versammelten sich die ersten Whiskytouristen. Man möchte gar nicht wissen, wie das hier zur Hauptsaison abgeht, vor allem, da die Insel problemlos zu bewandern ist.

Ardbeg gehört zum Glenmorangie-Konsortium. Viel Geld und Pomp steckte man in die Besucher-Räume, das Personal schien geradezu angepisst von der morgendlichen Öffnungszeit. So edel und stilvoll man sich geben wollte – das Personal verhinderte einen weiteren Einsatz unserer Personen. Been there – done that. Der Whisky ist ganz ok, aber so nicht, meine Herren. Lagavulin hatte noch nicht geöffnet (eine lange Schlange vor den Toren und 15 Minuten Verzug?!?) und Laphroaig mag ich persönlich nicht allzu sehr, weshalb wir den südlichen Teil der Insel gleich verließen und weiter in Richtung Norden fuhren. Kerzengeradeaus ging die Straße Richtung Bowmore, dennoch schlechter als Ordenwälder Feldwege. 15 Minuten, die die Stoßdämpfer aufs Äußerste forderten. Aber man grüßt sich hier insgesamt sehr nett auf der Insel – alle Entgegenkommenden winkten uns, egal ob Ausweichmanöver oder nicht.

Bowmore war dann ein anderes Kaliber. Ein wenig kleiner und beschaulicher, dafür tolles Personal und obgleich die Bar geschlossen war, gönnte man uns dort unsere Probierschlucke und einen tollen Blick über die Bucht. Was folgte war die Überraschung, dass mir der Small Batch besser schmeckte als der ihn ablösende No.1 (den es in D noch nicht gibt). Mich reizte der Small Batch dennoch viel mehr und er erhielt den Zuschlag. Die Jungs hier machten auch einen guten Job, wirklich.

Wir fuhren weiter zu einer Bucht im Nordwesten mit einem herrlich breiten Sandstrand. Der taucht gewiss in jedem Toursitenführer auf – kilometerlang und hunderte Meter breit. Allein das Wetter wollte bei unserm Erscheinen nicht mitspielen, so dass wir hier nur ein kurzes Gastspiel gaben. Unser nächster Stopp war die Kilchoman-Destillerie ganz in der Nähe. Und was soll ich sagen? Erst 2005 gegründet war auch hier richtig viel Geld versenkt worden. Und auch das passte mir nicht. Das erinnerte mehr an ein überteuertes Ausflugslokal für Gutbetuchte denn an eine Brennerei. Mir passte das nicht und ich suchte das Weite. Diese Destillerie mitten in der Pampa und aus dem Nichts errichtet wird an mir kein Geld verdienen. Das riecht mir zu sehr.

Ich nehme es vorweg: Später am Tag fuhren wir an einer Baustelle vorbei, kurz vor Bunnahabain. Auch dort wird gerade eine riesige neue Destillerie namens Ardn… und noch was vorbei. Es war gerade die Baugrube ausgehoben und auf großen Tafeln prankte der Entwurf. Ich fands zu diesem Zeitpunkt schon abartig und werde mir diesen Hype bestimmt nicht zu Gemüte führen.

In jedem Fall fuhren wir weiter zu Bruichladdich, der Destillerie, die dem nächstgrößten Konsortium (isses Pernot-Ricard?) angehört. Man merkt das an alles Ecken und Enden: Viel Geld für den Schein, zwei Barkeeperinnen, die sogar Whisky-Cocktails mixen und Showmixen veranstalten, teure Preise und eine beinahe hunderprozentige Palettenveränderung in den letzten 5 Jahren. Wo ist mein Rocks hin? Vergebliche Suche – auch hier werde ich nicht (mehr) fündig.

Weiter gings zu Bunnahabain, der Schwester der Deanston-Destillerie. Die Fahrt führte ans Ende der Welt, hinunter zu einem Hafenbecken, das einem verlassenen Industriezweig der 60er glich. Graue Häuser und verfallene Wege – und inmitten dieses Industriedenkmals tatsächlich eine lebende Destillerie. Ganz ohne Pomp, sondern so, wie anno Dazumal. Wirklich erfrischend in gewisser Weise. Der „Showroom“ im 1. OG und über eine Außentreppe zu erreichen war gerade 10qm groß und fasst 4 Besucher neben dem immer fröhlichen Schankwirt, der bereitwillig jeden Whisky anbot. Wir gönnten uns etwas von unseren Lieblingen und während er in breitesten Tönen erläuterte, warum auch neuerdings getorfte Whiskys von hier immer noch sanft sind (liegt an den langen und gerollten Destillationsläufen!) besorgte ich mir Nachschub für zu Hause und dachte auch gleich noch an Gleichgesinnte daheim.

Ich machs kurz: Bunnahabain war irgendwie mein Höhepunkt und auch wenn Caol Ila gleichsam unerschrocken der modernen Welt zu trotz schien, so war ich dennoch bereits glücklich und wir konnten im Grunde schon an die Rückreise denken. Im Hafen von Port Askaig teilte man uns mit, dass eine Chance gäbe, die Fähre um 15.30 Uhr zu erwischen, im Hafenpub verging uns der Appetit dort etwas zu essen und wir verdingelten uns die Zeit mit den Hunden im Auto bei erneut einsetzendem Regen. Auf der Fähre wurde der kurze Entschluß gefasst, das Abendessen nach Jetzt und Hier zu verlegen (gute Entscheidung: Echte Küche, gute Ware, sauberer Deal), die Heimfahrt verlief unspektaluär und abends war nur noch Schlaf angesetzt – sonst nix. Und Mittwoch? Ausruhn. Ganz bestimmt.