gb 2017 – teil 1

20 Grad und Sonnenschein. Das war die Wettervorhersage fuer unseren ersten Reisetag. Und in der Tat haben wir fast durchgehend perfektes Reisewetter. Die Fahrt bis Dünkirchen vergeht wie im Flug und wir brauchen inklusive dreier Pausen gerade mal 6 Stunden.

Kaum am Hafen bemerken wir diverse Umbauten. Die Einlassdurchfahrten sind breiter und moderner und mit mehr Kameras ausgestattet. 100m dahinter erwarten uns 2 schwer bewaffnete französische Militärs, die einen Blick in den Kofferraum werfen möchten. 2 Hunde, die so unschuldig wie eh und je dreinschaun, bringen die Jungs nicht auf falsch Gedanken und wir dürfen auch hier passieren. Auch den britischen Papierprüfern sind wir nicht suspekt genug, ebenso wenig den Jungs, die rumstehen, und die Fahrzeuge in die Röntgenhalle zum Durchleuchten holen. Das waren jetzt schon 4 Checks und am Ende wartet ja noch der Einweiser. A propos Einweiser: Wir segeln an diesem Mittwoch, Mittagszeit. Abgesehen von den üblichen LKW Ladungen stehen hier in 15 möglichen Reihen gerade einmal eine halbe voll besetzt mit PKW. Das wird übersichtlich. Wir öffnen die Fenster leicht und uns umweht sofort ein starker Hauch von Ganja. Der rote Kleinwagen aus Celle vor uns hat die Fenster ebenfalls offen, es dampft gewaltig. Jungs, wenn schon, dann machts nicht so offensichtlich. Die Jungs da hinten mit den Maschinenpistolen haben auch keinen Bock hier zu stehen und da käme ihnen Abwechslung wahrscheinlich ganz recht. Aber Dauerkiffen macht eben doch blöd, später mehr dazu.

Im Kofferraum fängt Ginger an zu brummen. Grund ist ein Vollpfosten, der sich an unser Kofferraumende stellt, um das zu ihm gehörende Auto korrekt und möglichst platzsparend in der Reihe einzuweisen. Ganz offensichtlich keine Leuchte der Typ, auch wenn – ebenfalls offensichtlich – sein Sohn gerade sein Auto fährt. Er steht schon so nahe, dass das Kennzeichen verdeckt ist, aber mein Interesse hat der Kerl nicht gerade geweckt. Ich kürze dennoch an dieser Stelle ab: Der Parknazi von hintendran trägt das gleiche Kürzel auf dem Nummernschild. Da seine Frau um Kontaktaufnahme bemüht ist halten wir Smalltalk und bekommen von ihm die volle Breitseite an persönlicher Inkompetenz um die Ohren gehaun. Wer sich so am Hafen beim Halten in der Reihe verhält, der kann nicht ganz rund laufen. So wissen wir jetzt, dass nach Ansicht des Herrn von der Landesfeuerwehrschule (typischer Theorieverkriecher ohne praktische Anwendbarkeit) die Briten eh alle doof sind, die Osteuropäer nur unser Geld wollen, auf Manoeuverkritik bei ihm seitens der Feuerwehr geschissen wird und er überhaupt zu allem Bescheid weiß. Innerhalb von 5 Minuten ist mir klar, dass ich mich jetzt schon schäme, dass er mein Landsmann ist. Ganz zu schweigen davon, dass er auch noch im Nachbarort wohnt und sich selbst für die Krönung der umliegenden Gemeinden hält. Ein „Verpiss Dich“ mag in meinen freundlich dreinlächelnden Augen gestanden haben – jedenfalls hat ers verstanden. Während der kommenden Wartezeit und auch auf der Fähre blieb er uns fern. Bester Deal für Dich, Vollpfosten.

Die Wartezeit war kurz und zügig sollte es dann aufs Schiff gehen. Blöd nur, wenn von 20 Autos 2 Dauerkiffer sind, die die Signale entweder nicht kennen, verpennen, verballern oder fehldeuten. Unsere beiden geruchsintensiven Freunde von vorhin halten den Verkehr ganz schön auf und da wären dann nochmal zwei, die mir besser aufm Bootchen nicht nochmal übern Weg laufen.

Einen halbwegs guten Kaffee später gings wieder runter und gen London. Der Verkehr war in Ordnung, wir blieben in der Zeit. Gebucht über Booking.com suchten wir dann nach etwa 1h30min das 101 Stay und da es am Archway nirgends offensichtlich war, rief ich an und Carlos, der Manager, wollte mich umgehend vor einem Club treffen – statt mir einfach zu erklären, wo der Eingang ist. Das sollte ein Omen sein. So stand ich also vor dem Etablissement meines Vertrauens und traf sofort auf Carlos – etwa 28 Jahre alt, Latino-Erscheinung und mit starkem Latino-Akzent ausgestattet. Er wies mir seinen eigenen Parkplatz zu, von dem er zuvor seinen schwarzen, tiefer gelegten Luden-Range-Rover herunterkurvte. Er garantierte mir, dass mein Auto auf seinem Parkplatz sehr sicher sei. Aha.

Zum Eingang ging es um die Ecke vom Nachtclub und mein erster Gedanke war: Wohin? Wo? Was? Hier? Die Tür eines Holzverschlags öffnete sich und Carlos entschuldigte sich zunächst für die Bauarbeiten rund ums Haus. Archway Square wird ganz offensichtlich neu gemacht und die Arbeiten dauern an – Tag und Nacht,…

Im Innern des Gebäudes erzählte uns Carlos, dass er das Gebäude letztes Jahr gekauft habe und er nun im Begriff sei….und ich war raus. Es roch hier nicht, nein, es stank nach Marihuana. Die ganze Bude war ein Ganja-Tempel. Brutalst. Carlos erzählte weiter, dass er die Appartements und das Treppenhaus nach und nach renovieren wolle und es deshalb hier und da „etwas unordentlich“ aussehe. In der Tat war das Treppenhaus eher ein Dreckloch, nur von Arbeiten war nichts zu sehen. Denn der Marihuanageruch übertönte alles. Alles.

Carlos öffnete die Tür und das Appartement war zwar geräumig, aufgeräumt und halbwegs sauber, doch standen auch hier zwei dicke, fette Marihuanapflanzen im Raum. Das Zimmer nach vorne zur Baustelle hin versprach schon die ideale Nachtruhe und Carlos zeigte uns den Kühlschrank, in dem laut Buchung Wein & Champagner stehen sollten – die heute wohl den zwei Dosen Pepsi Platz machen mussten. War uns alles egal – das hier war ein riesiger Ganja-Tempel und falls Carlos das Haus wirklich gekauft haben sollte, dann wissen wir, von welcher Kohle.

Mein Ausflug in die City war von Erfolg gekrönt. Ich traf Ian, Chris, Peter und Dave Clark sen. auf 4 Bier und einen Imbiß im portugiesischen Restaurant um die Ecke. Magpie und Nando´s waren die Adressen, Liverpool Street, Moorgate, Archway. Das nur zur Vervollständigung.

Nachts zurück im Tempel erwartete mich eine völlig entnervte Frau und zwei schlaflose Hunde. Der Ganja-Tempel wurde stark frequentiert und erweckte eher den Eindruck eines Stundenhotels. Die Baustelle vor dem Fenster schlief natürlich nicht, Archway Station war so nah, dass man jeden Zug neben dem Bett einfahren hörte. Ich konnte all das bestätigen, war aber doch so müde, dass ich einschlief und bis zum nächsten Morgen nicht mehr darüber nachdachte.

Am nächsten Morgen aufstehn. Schnell raus aus dem Tempel war die Devise. Duschen, Sachen packen, Hunde schnappen und ab nach Hampstead Heath. 45 Minuten Morgengassi mit tollem Blick über die Stadt, jeder Menge entspannter Gassigänger und Jogger hier im Londoner Hundeparadies. Nur Karl Marx´ Grab ersparten wir uns zu Gunsten der Uhr. Ab nach Norden zu George ins Three Wheat Heads. Zwischenstopp bei Tesco´s, Frühstück, Costa Coffee und weiter gings. Fast durchgehend auf M1 und A1 – und was soll ich sagen? Die A1 ist immer noch das Letzte. Zwar zwischenzeitlich verbreitert, ausgebaut auf drei Spuren ist das Ding immer noch völlig untragbar. Intuitiver Zwischenstopp bei den Wetherby Services – da hielten wir schonmal. Merkwürdig, dass man sich spontan und intuitiv immer gleich entscheidet, obwohl die Ausfahrt auf nichts hindeutet.

Weiter gings nach Thropton, vorbei an Englands Partymetropole Newcastle und hinein ins Hinterland von Northumberland. Tolle Landschaft, tolles Wetter, tolles Hotel, das Three Wheat Heads. Abends Lammschulter und Veggie Curry, Rioja auf der Terrasse und früh ins Bett. So geht Erholung hier. Einzig die Weinkarte könnte wirklich besser sein…

Anderntags war Regen vorhergesagt – aber das wars auch schon mit schlechten Nachrichten. Tatsächlich hatten wir ganztägig strahlenden Sonnenschein und den nutzten wir auch aus. An unsere alte Dame angepasste Wanderung über Schafweiden bis zu den äußersten Ausläufern des Simonside Ridge und zurück. Danach auf der Terrasse eine Flasche Sauvignon Blanc (Tobuku aus Neuseeland, echt gut trinkbar!) und zum Abschluss gabs mal wieder was von Georges Speisekarte. Dass wir den Hauptumsatz hier mit Wein machten wird den Jungs nicht entgangen sein, aber das war uns egal – die müssen was verdienen und mit den Preisen fürs Essen tun sie das definitiv nicht. Am Ende des Tages wieder mal tierisch gut gegessen und getrunken, ein Fläschchen Chateauneuf-du-Pape zum Abschluss und noch während sich der Pub zum Freitagabend hin langsam füllte verabschiedeten wir uns zur Heia.

Der nächste Tag brachte dann endlich den Regen, doch war uns das bereits egal. Für uns gings zielstrebig Richtung Coldstream und damit in Richtung schottischer Grenze. Was soll ich sagen? Entspannt war die Fahrt nicht zwingend. Regen und nordbritische Bundesstraßen laden nicht zum verweilenden Fahren ein. Mittags dann weiter in Richtung Norden, von Glasgow am Loch Lomond entlang bis Tarbet, von da aus nach Westen und ab nach Süden in Richtung Campbeltown. Und diese Strecke zieht sich. Landschaftlich ganz schön, aber langatmig und damit reifte der Gedanke, unter allen Umständen eine Fähre finden zu wollen, die uns – notfalls mit Zwischenstopp auf Arran – von Campbeltown in Richtung Ayrshire bringen mag am nächsten Wochenende. Wenn uns da mal die Winterfahrpläne, die hier bis Ende April gelten, nicht in die Suppe spucken. Denn dann fahren wir alles nochmal. Wir werden sehen.

Unsere Hütte liegt fantastisch. Direkter Blick aufs Meer, Panoramafenster und King Size Bed mit morgendlichem Panorama-Meerblick. Eine gut ausgestattete Küche und ein Kühlschrank voller Lebensmittel und Wein. Ok, die Lebensmittel haben wir kurz vor der Ankunft in Tarbert noch besorgt, den Wein haben wir mitgebracht. So kann man auch den Samstagabend gleich mal mit frischem schottischen Lachs und grünem Spargel genießen, der Weissburgunder passte hervorragend dazu. Auch Sonntags empfing uns wieder strahlender Sonnenschein und der erste Gang führte uns wieder runter zum Strand. Menschenleer und auf der Düne oberhalb mit einem jahrhundertealten und noch aktiven Friedhof ausgestattet. Nicht nur unsere Granaten hatten sichtlich ihren Spaß, auch wir fühlten uns sofort wieder pudelwohl. Und da hier die Uhren langsamer gehen, kann ich nicht genau sagen, wie heute morgen die Stunden verflogen. Fakt ist nur, dass ich jetzt nach unserem Mittagessen mit einem schönen Gläschen GG zwischenrein hier sitze und die Aussicht still genieße. Und vielleicht, vielleicht…ja, vielleicht mach ich ja bald ein kleines Schläfchen …