bretagne 2016 – teil 3

ich habe meinen zweiten sonnenbrand. Ja wirklich. heute ist donnerstag und hier ist feiertag. ich interessiere mich nicht fuer feiertage, insofern auch wenig fuer franzoesische. ich habe gerade gegessen – wieder einmal. essen und genuss gehoert hier zu unseren hauptbeschaeftigungen, so zumindest fuehlt es sich an. aber der reihe nach, was geschah alles in den letzten tagen?

freitagabend ein kurzausflug in die lokale creperie am hafen. wirklich lecker, der regionale hit mit meeresfruechten. die teige werden hier mit dunklerem mehl (wahrscheinlich buchweizen) oder einfach dunkler gebacken, jedenfalls ergibt das eine wunderbar nussige note, die sich mit herzhaften essen fantastisch kombiniert. die mischung selbst, die es ja auch in der kruemelvariante im les littorines beim pesk auf farz gegeben hatte, habe ich anderntags auf dem markt wiedergesehen.

es war am samstag als wir nach st.renan auf den markt gefahren sind. und was fuer ein markt war das? quer durch die altstadt zogen sich die staende und wir waren gluecklicherweise recht frueh am morgen dort, spaeter wurde es heisser und vor allem extrem geschaeftig, um nicht zu sagen eng. der markt selbst gehoert mit zum schoensten, was ich bisher an maerkten gesehen habe. jede menge hausgemachtes an staenden, allerorten frischer fisch, austern, krabben, hummer, fleisch- und wurststaende, rotisserien, backwaren, obst und gemuese, spezialitaeten zu hauf und wir mittendrin. allein der anblick all dieser waren und die geschaeftigkit der menschen an diesem samstagmorgen lohnte den kurzen weg nach st. renan. wir begnuegten uns mit einigen hausgemachten wuersten verschiedenster zubereitungsarten, etwas hausgemachtem brot, obst und schokobroetchen. man haette allerorten kaufen koennen, doch war das betrachten beinahe erfassender. zurueck in portsall ging der entspannungstag weiter bei herrlichstem wetter und einer flasche chardonnay; dies war bis dato unsere letzte flasche deutschen weissweins und wir sollten das etwas spaeter noch bereuen. doch dazu weiter unten mehr. gut gestaerkt von sonnenstrahlen und chardonnay zog es uns erneut runter zum hafen. weiter in der sonne sitzend bekamen wir die franzoesische variante von fish and chips, wein, cidre und jede menge eindruecke geboten. kaum waren wir in kontakt mit den einheimischen getreten, da outete sich auch schon arnauld als deutschsprecher. er, seine frau cecile, seine schwester und ein paar freunde luden uns gleich zu sich nach hause ein zum pizzaessen und wein trinken (saufen!). und freunde, was war das fuer eine nacht? ich mach es kurz: arnauld spielte irgendwann gitarre, der wein ging aus und um 02.00 uhr nachts standen wir alle in der kueche und sagen „sloop john b“. arnauld und ich tauschten adressen und den seh ich garantiert wieder. aber, kann sich schon jemand unseren sonntag ausmalen?

nein? gut. es gibt auch nicht viel zu berichten. stoffwechseln. allerorten.

den montag verbrachten wir gleichfalls in portsall. die lage unserer behausung is derart fantastisch, dass es kaum anlass gibt, die ecke zu verlassen, es sei denn zum einkauf. insofern kam uns ein etwas trueberer tag am letzten montag recht, leichter nieselregen truebte aber nicht den spaziergang am strand fuer die hunde.

a propos hunde: ich habe unsere beiden granaten noch niemals derart entspannt wie hier gesehen. es scheint nicht nur fuer uns erholsam zu sein, auch scotty und ginger geniessen die ruhe und abgeschiedenheit. ein grosses grundstueck, ein toller sandstrand zum gassigehn, genug zu fressen, im garten in der sonne liegen und 24/7 mit uns zusammen. ein echt perfektes hundeleben zur zeit 🙂

dienstag frueh wollten wir gen sueden ziehen. uns war bekannt, dass dort im sueden der tourismus beheimatet ist, waehrend hier im norden doch eher einheimische wohnen und der tourismus kaum ausgepraegt ist. noch immer ein raetsel fuer mich, aber natuerlich auch umso besser fuer uns.

allein landschaftlich aenderte sich nur das hinterland etwas. bewaldeter, bergiger und schlichtweg weniger landwirtschaftlich gepraegt. die kueste scheint abwechslungsreicher, im steten wechsel von weissen sandtstraenden und schroffen steilkuesten. und parkplaetze. und campingplaetze. und cafe’s, tourismusbueros, restaurants, hotels, parkplaetze, busparkplaetze, parkplaetze. die orte hier verrieten sowohl geld als auch tourismus, austauschbar mit vom tourismus gepraegten orten weltweit. wenngleich zu dieser jahreszeit noch recht leeer, so kam uns das hier und jetzt bereits hektisch und uneinladend vor. die schlichte vorstellung eines besuchs an dieser stelle (margot, crozon, camaret-sur-mer, o.ae.) zur hauptsaison liess mir kalte schauer ueber den ruecken jagen. sicher, das mag noch kein teutonengrill sein und von strandspielzeugstaenden und strandkorbvermietungen ist man hier zum glueck noch lichtjahre entfernt (dafuer haben die franzosen schlichtweg zu viel stil), aber der unterschied zum norden wurde hier doch am offensichtlichsten. ein ratschlag an euch alle: wenn bretagne, dann allein im norden. geniesst die ruhe. landschaftlich im sueden kein gewinn, dafuer mehr menschen und ein typisches infrastrukturelles rahmenprogramm. oder besser noch: bleibt im sueden und lasst mir im norden die ruhe…

suedlich von camaret-sur-mer drehten wir ein ruendchen um leuchttur und denkmal und wenn wir ehrlich sind, dann haben wir exakt dieses programm auch schonmal in besser in grossbritannien gesehen. deswegen kommt man gewiss nicht hierher. im anschluss ging es spontan entschlossen in die hauptstadt der bretagne nach quimper. und hier muss ich zugeben, dass ich, obwohl ich auch hier die touristenhorden in 6 wochen vor meinem inneren auge sehe, dieser stadt doch etwas abgewinnen kann. mittelalterliche fachwerkhaeuser in einem staedtchen, das um eine wunderschoene kathedrale herum erbaut wurde und noch dazu mit tausend bruecken einen kleinen flusslauf umkreist. ja, hier ist nicht die arbeiter- und hafenstadt brest, nein, das ist quimper. hier sitzt etwas mehr wohlstand und auch ein klein wenig kleinod mag ich diesem staedtchen zugestehen. ein solches kleinod war auch die kleine creperie, die wir als tipp in einer seitengasse fanden. auf ca. 6qm gastraum und 2qm kueche bekochten uns eine mutter und ihre tochter vorzueglich – fuer kleines geld. den namen nenne ich nach, das sollte es euch wert sein.

am dienstagabend sollte dann der wein wieder unser freund werden. es kam aber anders. ich gebe zu, dass man sancerre noch ganz gut trinken kann, doch wuerde ich deutschlands weissweine nie wieder missen wollen. die preis- und qualitaetsstukturen sind offenbar in beiden laendern gleich. doch was die rotweine in frankreich uns noch einen ticken voraus haben, das hinken deren weissweine meilenweit hinterher. ich konnte gar nicht so viel kochen, wie ich wegschuetten wollte und da haben sich unsere lieben nachbarn wirklich ein paar jahre zu lange ausgeruht. standards, transparenz und qualitaet an weissweinen fehlen einfach. ganz gleich, in welcher range wir uns durchprobierten, ob fachhaendler, supermarkt, guenstig, mittleres oder gehobenes segment – es war eine reine enttaeuschung. und nun wird dem geneigten leser offenbar, weshalb uns die letzte flasche zum verhaengnis wurde – es war die letzte flasche guten weissweins dieser tage. und das bei diesen temperaturen.

denn am mittwoch erhielt ich sonnenbrand nummer 2. kaum war der samstag auskuriert, da brannte uns die sonne erneut auf die letzten urlaubstage. buch lesen im garten, duenenspaziergang oder einfach eine kleine fahrradrundfahrt – nase und nacken zeigens deutlich 😉 und beim thema weisswein waren wir zwar gestern schon, doch weshalb ich einem grauburgunder fructose beigebe, dass er als honig deklariert werden koennte, das blieb das geheimnis des mittwochabend. kein weisswein mehr fuer mich hier. stattdessen fisch bis zum abwinken vom lokalen fischhaendler, frischer lachs und crevetten sind allein die reise wert gewesen. da hats dann auch zum verkochen gereicht…

und heute? ist donnerstag und feiertag. gestern mittag biss irgendwo am nachbarhaus eine maus eine leitung durch, so dass die ecke hier jetzt ohne telefon und internet dasteht. das gibt’s und scheint in deutschland unmoeglich. erst recht am feiertag. und wir? gehen spazieren, in aller ruhe. am strand. unserm strand. nebenbei bemerkt steht eine frau an unserm strand mit ihrem renault clio. und sie hupt. oft. mehrmals. sie pfeift in eine trillerpfeife. unentwegt. seit minuten. unser strand. ihr kofferraum steht offen und soeben trottelt ein nasser hund in ihre richtung. nach 300 mal hupen und pfeifen. und einer gefuehlten stunde, in der ich diesen text schreibe…