ein „nein“ im nebel

das morgendliche quiraing wurde verschoben. stattdessen sind wir weiter richtung dunvegang gefahren, um uns endlich mal den korallenstrand dort anzuschauen. ein wirklich lohnenswerter ausflug, die bilder werden euch vom hocker hauen. allein, dass es hier oben sowas gibt? ein echter knaller. nachmittags war kueche angesagt, da ich uns allen fuer abends eine lammschulter versprochen hatte.

frueh morgens um kurz nach 5 hiess es aufstehen an diesem denkwuerdigen donnerstag, den 18. september 2014. die bucht hing voller nebel und wir erhofften uns gelungene schnappschuesse von einem fruehmorgendlichen sonnenaufgang im quiraing – nicht, dass wir dort schon etliche male gewesen waren, aber an diesem tag war es wirklich besonders. ein sich vor und zurueckschiebender nebel ueber staffin und am fusse des quiraing, die sonne am horizont und 12 grad – fantastisch. danach ging es weiter ins cafe arriba nach portree zum fruehstuecken, denn um 10 hatten wir vor, nen bootsausflug zum whale watching zu machen. ich machs kurz: der nebel machte uns einen strich durch die rechnung, ebenso am folgetag und unsere frau kapitaen war so nett und ehrlich und sagte die fahrt ab.

was aber an diesem tag in portree los war, das suchte seinesgleichen. die ganze stadt war angespannt, ueberall die letzten kraftakte im wahlkampf fuer die unabhaengigkeit und letzten endes genossen wir unser abendessen im „seabreezes“ und danach ging es weiter ins „isles inn“ auf ein bier mit live-musik. tatsaechlich war jedem bewohner der stadt die anspannung anzumerken, kaum einer diskutierte darueber. weshalb ich einfach mal die mich bewegenden fragen einem schotten an den kopf warf. das fuehrte zu erstaunlicher argumentation. er verglich das mit einem glaubenskrieg, den man sowieso schon oft (katholiken vs protestanten) ausfechte und man deshalb wisse, wie man mit so etwas umzugehen habe. weder befuerworter noch gegner der unabhaengigkeit wuerden dies heute abend zum thema machen, erst recht nicht, solange noch nichts feststeht. schliesslich wolle man keinen streit vom zaun brechen und muesse auch in zukunft noch hier im kleinen kreis miteinander leben.

das fand ich bemerkenswert und dennoch kaum nachvollziehbar. noch weniger nachvollziehbar war dann fuer mich das endergebnis am heutigen morgen. diese feigheit hatte ich nicht erwartet. in der tat konnte man in den letzten wochen hier im land die panikmache der mediene – gesteuert aus westminster – deutlich verfolgen. bar jeder grundlage oder rationaler argumentation wurde den menschen angst eingefloesst, das typischste konservative wahlkampfmittel. es ging ums bewahren und die angst vor veraenderung im wahlkampf der gegner. es dreht sich darum, dass schottland es gar nicht schaffen koenne alleine zu stehen, dass schottland ohne englische atomwaffen wehrlos sei, etc. alles in allem vollkommener unfug und humbug, nur eben tausendmal wiederholt und dadurch in drei jahren in die koepfe der menschen gepresst. schottland steuert rund 25% zum bruttosozialprodukt des uk bei, die whiskyindustrie exportiert eine milliarde flaschen pro jahr und shell hat seinen hauptsitz in aberdeen. wer diese zahlen hoert und dann gegenrechnet, was schottland tatsaechlich netto an geldern aus london bekommt, der muss sich an den kopf fassen. aber dennoch wurde – wieder einmal – mit angst politik gemacht und gewonnen. dieses volk kaempfte seit 1000 jahren gegen die englaender, seit 300 jahren unter der krone vereint gegen seinen willen und am gestrigen tag kam die chance des jahrtausends: man haette sich seiner sorgen entledigen koennen mit einem kreuz. man haette den tausendjaehrigen kampf beenden koennen ohne krieg – und haette gewonnen. aber so? so werden alle nach und nach zu verlierern. die konservativen in england verlassen sich weiter auf ihre city und den finanzmarkt, deren naechste krise nun weiter durch die schotten abgefedert werden wird. ohne schottland waere cameron bei der naechsten bankenkrise auf knien nach europa gekrochen und haette um den euro gebettelt – zu unseren konditionen! die labour-party hat sich zur marionette der konservativen machen lassen, da 60% ihrer waehler aus schottland kommen und die politiker selbst so schlichtweg um ihre eigene, ganz persoenliche existenz nach der naechsten wahl fuerchteten. alle politiker in london also mit ausschliesslich selbstsuechtigen gruenden ohne argumente in der tasche oder auf dem tisch.

und was machen die schotten? nichts ist mehr von robert the bruce oder braveheart uebrig geblieben. offensichtlich ein volk von feigen nasskaemmern, das sich von westminster das kreuz hat brechen lassen. viel mythos wird nicht uebrig bleiben und viel sympathien haben sie dadurch auch nicht gewonnen – im gegenteil. je laenger man sich objektiv die faktenlage ansah und gleichzeitig die emotionsgeladene angstmache in funk und fernsehen ausblendete, desto klarer wurden die vorteile einer unabhaengigkeit. was wurde da mist erzaehlt von diesen eseltreibern, dass schottland ja schliesslich ab freitags dann keine waehrung mehr habe, dass schottland beim zu erwartenden russischen angriff auf dne westen dann das erste opfer wuerde, da es waffenlos sei und man somit die englaender gleich mit auf dem gewissen habe. das hoert sich duemmlich an? genau, ist es auch! nur leider gab es solche talkrunden im fernsehen hier und die gazetten waren voll mit solchen argumentationen. da hatten es die freiheitsliebenden recht schwer mit ihrem wunsch nach abzug der atomwaffen und der forderung, endlich selbst fuer kindererziehung, bildung und gesundheitsvorsorge verantwortlich zu sein. soll ich mal ehrlich sein? pfui teufel – war das dreckig. dreckig und daemlich. denn selbst wenn man alle argumente ausblendet, dann bleibt festzuhalten: mein volk kaempft seit 1000 jahren darum, vor drei jahren wollten mehr als 75% die unabhaengigkeit und erkaempften dieses referendum – ich kann die chance meines lebens nicht einfach so sausenlassen! das ist das feigste, das mir je untergekommen ist. die verantwortung fuer kommende generationen einfach zurueckzugeben und die hinterlassenschaft der letzten 300 generation komplett mit fuessen zu treten ist schlichtweg dumm – vor allem dann, wenn ich es wirklich nur aus reiner angst nicht mache, da ich angeblich keine rente bekaeme. die naechste luege, die niemals wahr geworden waere.

was bleibt also? der nebel. er haelt uns auch heute gefangen und der name „the misty isle“ zeigt nun endlich, woher er kommt. bei 16 grad und windstille zog es uns heute nochmal zur talisker bay und zum schwarzen vulkan-sandstrand – wirklich beeindruckend, die vielfalt dieser insel. ein netter abschied fuer uns, denn morgen geht es runter in den sueden, unser letzter stopp in schottland in ayrshire. am sonntag frueh treffen wir einen bekannten in ayr selbst, der sich gerade im tal der traenen befindet (ein freiheits-waehler), danach eine nacht im lake district, am montag treffe wir gill in st.albans und am dienstag eine allerletzte nacht in tappington. mittwoch nachmittag geht unsere faehre und donnerstag in aller fruehe sind wir wieder daheim. 4 wochen wie im flug. eindrucksvoll, erholsam, arbeitsam, ablenkend, lustig, entspannend, erfolgreich, teuer, lecker, aufregend, verwirrend, neblig, erstaunlich, ueberraschend, deprimierend, ernuechternd und letzten endes einfach fantastisch. danke, leben.