die menschheit wird nicht klueger

auch nach dem jahreswechsel das gleiche bild. politiker offenbaren zum x-ten mal in den letzten jahren, dass es ihren spitzenkraeften nicht um politik, sondern um die eigene gier geht und die menschen in naeherer umgebung offenbaren zum x-ten mal, dass die menschheit selbst nicht halb so weit ist, wie sie gern waere. speziell das sogenannte buergertum – sind da parallelen zur ersten aussage? – bildet zu grossen teilen das epizentrum dieses paradigmas.

aber fangen wir vorne an. kaum koalition und jahreswechsel, schon pofalla. mal wieder. aber wohl auch bald zum letzten mal. und wie sie alle heissen, die ochsentourler, die jetzt in den gremien sitzen und wegen derer man selbst vor 15 oder 20 jahren der jungen union und damit der cdu den ruecken kehrte. all diese gebrauchtwagenhaendler, nach deren haendeschuetteln man seine finger nachzaehlte. ob sie nun groehe, altmaier, dobrindt, gutting, hauck, mappus, notheis oder pofalla heissen ist egal. die liste waere sowieso beliebig fortzusetzen in deren reihen. es ging und geht ihnen offensichtlich nicht um politik, um ein ziel fuer eine gesellschaft, um voranbringen oder idealismus. es ging und geht ihnen um macht, um einfluss, um karriere. und da ist der naechste schritt eben wieder raus aus der politik in die vorstaende der unternehmen. nur diesmal mit dem haken, dass er zwar gerne sein mandat behielte, das aber wohl doch nicht geduldet wuerde. ein weiterer haken ist wohl die bahn – die braucht naemlich keinen neuen vorstandsposten und erst recht keinen pofalla. wie kam der ueberhaupt drauf, dass er das tun duerfte? war er dazu eingeladen worden und wenn ja, weshalb? und sollte sein poestchen dort nicht sogar „lobbyismus“ heissen? oder sollte das nur der verdiente posten am ende getaner arbeit fuer die bahn sein?

naja, schwere themen am nachmittag bringen einen gern zum spaziergang. zwar liege ich zur zeit recht flach auf der couch, aber einen kleinen spaziergang im wald darf man sich wohl goennen. und der hatte es heute in sich. zwar sollte man meinen, dass man als hundebesitzer die spitzen der laecherlichkeiten menschlichen handelns bereits kennen sollte, doch schafft es in jedem jahr einer, das ganze noch zu steigern. so wie heute.
ich ging also nichtsahnend den berg hinauf, ginger etwa einen halben meter von mir entfernt. bergabwaerts kam mir eine frau entgegen in lila hosen und einen kleinen grauen hund an der leine fuehrend. sie blieb etwa 60m entfernt von mir stehen und bruellte mir etwas entgegen. sie wirkte zuerst nervoes und von einer sekunde zur anderen hysterisch, schrie nochmals etwas unverstaendliches und ich blieb stehen, ginger neben mir. sodann zog sie ihren hund ruckartig zu sich (ein wunder, dass er das schadlos ueberleben konnte), nahm ihn auf den arm und rannte wieder bergaufwaerts. ich rief ihr noch hinterher, was denn los sei, doch sie rannte einfach bergauf, einen kleinen hund auf dem arm. also ging ich – etwas konsterniert – weiter.
nach etwa 300m stand die dame dann bei einer passantin und versuchte diese – noch immer hysterisch und aufgebracht, doch nicht mehr schreiend und deshalb besser verstaendlich – zu warnen: vor mir! ein mann mit einem riesigen und gefaehrlichen schwarzen hund ohne leine sei dort unten herumgelaufen. das zog mir die schuhe aus. weder hatten wir richtigen blickkontakt gehabt, noch hatten sich die hunde bis dato erspaeht. es gab also zuvor noch gar keine situation. den hund aber als gefaehrlich zu bezeichnen und darueberhinaus ihren eigenen hund zurueckzuzerren und aus der situation zu fliehen – das entbehrt jeder grundlage. aber, lasst mich das kurz ausfuehren.
menschen behaupten oft und gerne, dass sie tierlieb seien; speziell jene aus dem buergertum, einen kleinen hund vermenschlicht und stets an der leine fuehrend. kontakt zu artgenossen wird unterbunden. nun ist es so, dass zur sozialisierung von hunden – genau wie bei menschen auch – der kontakt zu artgenossen unerlaesslich ist. anderweitig kommt es zu fehlverhalten, mindestens aber zu sozialen unsicherheiten im verhalten. das aeussert sich dann recht schnell und wirkt auf laien gerne sehr ruede, ist aber tatsaechlich nicht schlimm. ernsthaft verletzt wird in den allerseltensten faellen ein hund. die problematik ist nun, dass menschen ihre hunde weder erziehen noch ihnen dieses zu erlenende sozialverhalten zutrauen. zum einen bedeutet erziehung uebung, training und (selbst-)disziplin und vor allem bedeutet dies, sich mit dem hund als hund und nicht als mensch auseianderzusetzen. an dieser stelle hakt es bei den meisten menschen bereits vollstaendig. einerseits wird – zu recht – auf die reform des tierschutzgesetzes plaediert; tiere sind keine sachen und sollten auch vor dem gesetz nicht als solche behandelt werden. aenderungen diesbezueglich, insbesondere im sinne des bgb und stgb sind unerlaesslich. andererseits kauft man fleisch und wurst problemlos im supermarkt und selbst beim metzger fragt man nicht nach, woher das tier bezogen wurde. das beispiel hundehaltung ist da nur die kroenung, denn wenn ich schon diese aenderung fordere, dann bitteschoen auch mit der konsequenz, dass ich die tiere selbst so behandle, wie es ihnen gebuehrt: mit respekt vor ihrer art und ihren eigenheiten, ihren charakteren und ihren gefuehlen, ihren beduerfnissen und ihren besonderheiten. beides passt aber in dem meisten faellen nicht zusammen in dieser gesellschaft. im umkehrschluss bedeutet dies: wer solch ein verhalten zeigt, seinen hund nie von der leine laesst und ihn vor artgenossen abschirmt, der hat weder verstanden, worum es hunden geht, noch wird er je verstehen, was das wort selbstreflexion bedeutet. problematisch wird das thema dann wieder beim wahlrecht, denn zu ende gedacht sind diese menschen kaum faehig, fuer sich selbst schluessig zu entscheiden, wie sollte das dann fuer andere oder gar eine gesellschaft funktionieren? das ist natuerlich uebertrieben, doch in letzter konsequenz logisch – zumindest stringenter als der bisherige konsens.
im grunde macht das aber nichts, denn die religion hatte da ja schon vor geraumer zeit die allzweckloesung parat, die einen weder zur selbstreflexion zwingt noch zum angemessenen umgang mit tieren treibt: „der mensch macht sich die tiere untertan“. danke, so steht es geschrieben und zumindest die christen haben damit den generalschulderlass fuer unmenschliches handeln gegenueber tieren schon mit der kirchensteuer bezahlt. jaja, ein saekularer staat und kirchensteuer – schweife ich gerade ab? im grunde ja, aber der gedanke passt gerade. wieso kirchensteuer, wenn doch saekular? passt das? und passt das, dass der papst im bundestag spricht? sind wir nicht saekular und zeigen nicht gern mit dem finger auf laender, in denen geistliche in parlamenten sprechen? und jetzt kommt mir nicht mit kultur – der papst und die katholische kirche resp. der vatikan haben mit unserer verfassung mal gleich gar nichts gemein. ist das nicht wieder wasser predigen und wein saufen?

ach, was reg ich mich auf am nachmittag. sue hatte einen schoenen pullover geschenkt bekommen, den ich im urlaub zum ersten mal sah. violett mit weisser aufschrift: „keep calm – and walk the dog“. in diesem sinne – frohes neues jahr.