toll

politische diskussionen sind gut, sinnvoll und nuetzlich. in den meisten faellen jedenfalls. ich habe im lauf der jahre aber festgestellt, dass es immer schwerer wird, diese zu fuehren. in den haeufigsten faellen kommt der gedanke an eine diskussion, eine kontroverse irgendwann mitten im gespraech auf und wird – aus saetzen, die das eigene ich in diesen momenten aus erfahrung fluestert – gleich wieder verworfen. denn in diesen faellen waere kaeme keine diskussion zustande. der umstand, der mich zum einwurf noetigte, wuerde sich dem gespraechspartner oftmals gar nicht erschliessen, von verstehen rede ich nicht. das liegt an der entfernung – ueber die jahre wurden tausende gedanken gewaelzt, grundsaetze durchdacht, angenommen und deren folgen getragen. hieraus ergaben sich wieder neue situationen, etc. pp.. man ist also mittlerweile in einem weit verzweigten geaest angelangt und bewegt sich gedanklich stets an den aeusseren verzweigungen, auch um diese weiter wachsen zu lassen. natuerlich weiss man auch noch, wo man angefangen hat zu denken und wie dann die logik gebot, weiterzumachen. wenn also eine unbewanderte seele an diesem stamm oben besagten baumes steht und eine frage stellt, so habe ich drei moeglichkeiten. ich antworte kurz und lasse saemtliche aeste und zweige weg, praesentiere das ergebnis und sehe ich fragende bis vorwurfsvolle augen. ich koennte aber auch zeit investieren, was in den meisten faellen aber nicht moeglich ist und wenn doch, dann wird der erklaerungsweg zu meiner antwort nur selten mitgedacht, noch seltener verstanden. vielen ist ja bereits eine konzentrationsphase von 2 minuten bei einem thema zu anstrengend. also entscheidet man sich in aller regelmaessigkeit fuer variante 3: still sein. man nimmt die abzweigung, verdreht innerlich die augen und gibt sich selbst geschlagen vor der masse.

das ist weder gut noch schlecht. ich bin weder weltverbesserer noch maerchenonkel, kann mir aber dennoch aussuchen, ob und wenn, dann was und wie ich inhalte mit wem teile. das glaubt ihr nicht? ihr haltet das fuer absurd oder gar arrogant? ok, dann habe ich hier einen feldversuch fuer. sucht euch einen amerikaner und redet mit ihm ueber ein generelles waffenverbot. egal, welche meinung die eure ist oder welche meinung er vertritt – ihr werdet mir danach in puncto diskussionsfuehrung recht geben.

das wiederum beunruhigt mich zutiefst. das hiesse naemlich aufgeben gegen den unglaublich grossen rest der dummheit. aufgeben und sich dem schicksal ergeben, hiesse auch, ignoranz regieren zu lassen. ein freund sagte neulich, dass der mensch ein virus sei – selbstreplikativ und zerstoererisch. darin muss ich ihm voellig recht geben, vor allem universal betrachtet. und ein schoener vergleich obendrein. ein virus aber, dem ich mich gerne geschlagen gebe? es streitet in mir. eine meiner leitlinien ist nach wie vor dieses wundervolle zitat: „never argue with stupid people. they’ll drag you down to their level and beat you with experience.“ und an welchem punkt des o.e. paradigmas sind wir nun?