wie gestaltet man einen tag?

wir haben niemandem etwas gesagt, keiner seele etwas verraten. es war unser tag, ganz allein. es ging nicht um gaeste, es ging nicht um eine feier. es ging nicht ums essen, ums wetter und drin oder draussen, das standesamt, die kleidung, um ein laecheln, einen hohen oder tiefen ton, den ablauf des tages, einen grossen oder kleinen empfang, es ging nicht ums geld oder um geschenke, es ging nicht um perfekte planung, den fotografen, die wahl der speisen oder sogar der lokalitaet. es ging nicht um die gaesteliste noch ging es um nicht eingeladene gaeste. um all das ging es nicht!

worum geht es eigentlich an solch einem tag? die standesbeamtin meinte, dass das kein neuer anblick fuer sie sei, hier zwei menschen ohne jeden und alles sitzen zu sehen. es sei nichts neues, dass sich diese beiden personen aufs wesentliche beschraenken und keine gaeste zu ihrer trauung mitbringen. sie selbst habe 1996 mit gesellschaft geheiratet und wuerde es nie mehr so tun, sondern wahrscheinlich ebenfalls ganz allein bzw. zu zweit heiraten.

und sie hat recht. denn worum es geht bei den hochzeiten unserer zeit ist die feier, das event, das dabeisein. ich kann mich nicht einerseits hinstellen und die eventgesellschaft verteufeln und auf der anderen seite am emotionalsten und intimsten bereich eines anderen menschen ruetteln und dabeisein wollen. noch kann ich mir an genau dieser stelle diesen tag nehmen lassen. wir wollten kein tamtam, keine gesellschaft, die man sowieso bei genauerer betrachtung nicht begrenzen geschweige denn beherrschen kann.

wer das egoistisch nennt hat recht und macht sich selbst schuldig des gleichen vorwurfs. natuerlich ist das egoistisch. und das darf es auch sein. denn wann, wenn nicht am schoensten tag des lebens fuer zwei personen duerfen genau diese beiden selbst bestimmen, was geschieht und was nicht? wann, wenn nicht am tag der hochzeit duerfen sich diese beiden personen ausschliesslich auf sich selbst konzentrieren? natuerlich ist das egoistisch – aus sicht der beiden aber zu recht. wer dies aber als vorwurf darstellt, der macht sich des egoismus schuldig – schuldig im sinne der anklage.

es geht diesem jemand naemlich nicht um die beiden personen, sondern ums dabeisein. egal wie nah dran oder weit weg dieser jemand sich glaubt: das ist egoismus in reinform. die ueberlegungen wurden lange hin und hergetragen und zu guter letzt zu recht entschieden, alleine zu heiraten. ohne verwandte, freunde & bekannte. denn wo ziehe ich den strich? welchen verwandten von welcher seite lade ich oder aus? oder sage ich allen bescheid und lade dennoch keinen ein? ginge es denn noch unverschaemter? wie formuliere ich denn bitte: „ihr solltet wissen, dass wir heiraten, aber dabeihaben moechten wir euch nicht!??!“ und an welcher stelle kann denn irgendwer beurteilen, wer nah genug dran und wer weit enfernt steht – wer wird geladen und wer bleibt draussen? wem sagen wirs und wem nicht? wie gross darf die feier denn sein? 10, 20, 50 personen? lassen wir den kostenfaktor aussen vor – so bliebe allein schon diese ueberlegung deshalb auf der strecke, weil wir beide keine feier wollten, sondern einen tag fuer uns allein.

aber schoen. macht man die feier der konvention wegen und verraet damit schon im ersten schritt den eigenen, ganz persoenlichen tag, der eben nicht mehr fuer uns, sondern der konvention wegen anders gestaltet wird. wen laden wir denn jetzt ein? und was gibt es zu essen? viele oder wenig bilder? gehoeren enkelkinder angeschwippt dazu? soll der fotograf ueberhaupt kommen und wenn ja, den ganzen tag oder an separatem termin? welches kleid passt wohl am besten zu der krawatte, die dann sowieso jeder vom braeutigam erwartet? stimmt der ablauf und wird auch keinem langweilig? welche art musik und wollen die gaeste tanzen? wo kriegen wir die denn ueberhaupt her und wer kuemmert sich dann darum? wer wird trauzeuge und vor allem: wer nicht? und wie wird demnach denn wohl der junggesellenabschied ausfallen? oder faellt er aus und wer ist dann beleidigt? wenn wir frueh am tag heiraten, muss man die gaeste tagsueber beschaeftigen. sektempfang, kaffee & kuchen, abendessen und menue…wer sitzt neben wem? wie viel platz brauchen wir ueberhaupt? sind raucher dabei? passt das von der zusammensetzung her? verstehen die sich und wie sind die einzelnen charaktere vereinbar? vegetarier oder keine? koennen alle das gleiche essen oder hat einer abneigungen gegen fisch? oder fleisch? mag jemand etwa nichts rosagebratenes? sind rollstulfahrer dabei und welche lokalitaet faellt deshalb schonmal raus? und was ist fuer wen in welchem alter wohl zu weit und wer muss danach noch wie weit fahren? gaebe es denn ueberhaupt genug parkplaetze? eigentlich nur die engen verwandten, aber auf deren hochzeit waren wir (war ich auch)…also ja oder nein zur einladung? wo ziehe ich welchen strich und wem vors schienbein zu treten tut am wenigsten weh? und wem darfs ueberhaupt weh tun? worum ging es? achja…unsere hochzeit…

soll ich noch mehr fragen aufzaehlen? noch mehr fragen, die verdeutlichen, worum es bei den heutigen feierlicheiten zu hochzeiten ausdruecklich und unabwendbar geht? es geht nur um die gaeste und kaum bis gar nicht um das brautpaar. diese sind aber die einzigen, die wirklich gefragt werden sollten, wie denn der tag aussehen sollte. eine andere meinung ist nichtig, irrelevant. um die geht es naemlich nicht, nicht an diesem tag. diesem tag fuer diese beiden. ihrem hochzeitstag.

allein, dass man mir abverlangt die argumentationskette aufzuzaehlen zeigt den egoismus dieser welt und der vermeintlichen gaeste. ich versetze mich sogar noch in diese hinein bei jeder der obigen ueberlegungen und sogar noch jetzt, in diesem moment der argumentation. warum? weil ich darum bitte, dass man einem sich liebenden brautpaar zugesteht, den wichtigsten tag ihres lebens fuer sich alleine gestalten zu duerfen. irgendwie daneben, dass man sich fuer so etwas rechtfertigen muss, oder? so verdreht ist diese welt nun eben manchmal, beinahe dreist.

und allein diese reaktion zeigt mir nur mehr als deutlich: wir haben richtig gehandelt und es ging – gluecklicherweise – nur um uns an diesem tag, nicht um gaeste!

keine fragen und keine zeitplaene, keine gaeste und kein gekuensteltes laecheln…kein wasweissichnochalles….es ging um uns, auf unserem weg, unserem lebensweg und liebesweg. er macht mich gluecklich; gluecklicher, als ich mir je vorstellen konnte zu sein. es ist mein, es ist unser weg und er wird es immer sein. ich lebe.