mittelmass

der fc befindet sich darin. punkt. haette man mir das vor der saison angeboten, haette ich freudestrahlend eingeschlagen. der fehler eines jeden fc-anhaengers aber ist diese unwiderstehliche sehnsucht nach der guten alten zeit, nach 1986 und dem verlorenen finale im uefa-cup gegen real madrid, nach tv-duellen zwischen hoeness, daum und osram heynckes, nach pierre littbarski und toni schumacher, den ikonen meiner jugend. vielleicht aber reicht fuer ein bisschen mehr glanz heutzutage auch schon ein kleiner lukas…

dennoch moechte ich nicht jammern. im gegenteil. in der tat zufrieden bin ich, da mich die letzten jahre demut und bescheidenheit gelehrt haben und die heutige mannschaft – zumindest qualitativ – nichts konkretes mit den abstiegsraengen zu tun haben wird. sie spielen nicht immer schoen, aber zumeist engagiert, die neuzugaenge wie petit und geromel (vom spiel gegen den bvb mal abgesehen) genuegen wir gehobenen bundesligastandards, wenn nicht gar internationalen und das management uebt sich in professionalismus. man bleibt auf dem teppich und plant voraus – kommende saison soll es in jedem fall einstellig werden. schoen. ob dann jetzt morgen drei punkte vom vfb entfuehrt werden (wie schon so oft) ist beinahe nebensache, leider aber nicht voellig.

im mittelmass wiederfinden wird sich auf dauer auch der hopp´sche sportverein aus hoffenheim. des milliaerdaers projekt, das er so gern als die „herzensangelegenheit fuer seinen heimatverein“ umschreibt, spult derzeit ein schoenes programm runter. man goenne ihnen die euphorie, auch wenn ich weiss, dass dieser verein nicht die gleichen probleme wie der ksc bekommen wird, da spieler kaum mit geld abgeworben werden koennen. doch sollte man sich schon darueber im klaren sein, um was es sich hierbei genau handelt: vor zwei jahren noch bot herr hopp dem sv sandhausen und der walldorfer astoria an, die vereine zusammenzulegen zum „fc heidelberg kurpfalz“ – eine schlagkraeftige truppe sollte es sein, mit der bundesliga als ziel. vom heimatverein waere hierbei nicht wirklich viel uebriggeblieben; von der liebe also auch nicht. sandhausen lehnte dankend ab (aus liebe zum heimatverein uebrigens) und bleibt weiter drittligist. da die liebe nun schon dahin war, konnte man gleich das grosse geld nach dem aufstieg in die hand nehmen, zumal man gewahr wurde, dass es sich wahrlich nicht besonders gut anfuehlte, mit all den amateuren im kader. flugs wurden 25 millionen im kader versteckt und vom aufsteiger und abstiegskandidat war nichts mehr zu sehen. der durchmarschierer in liga 1 (auf platz 1 noch dazu) war geboren, auch hier vom heimatverein nur noch die farben zu sehen – nicht einmal der vereinsname blieb gleich…

es handelt sich also tatsaechlich um ein kunstprodukt, egal wie schoen der gespielte fussball auch sein mag, ein seelenloses konstrukt, audi ingolstadt und vw wolfsburg gleich, von den pillen aus leverkusen ganz zu schweigen.

neid? nein! keine angst. so sehr man auch heute von den neustadiongaengern aus der haute noblesse hoert, das neu gebaute stadion sei bereits zu klein, so sehr wird man sich wundern, wie die zuschauerzahlen sinken werden, wenn die leistung nachlaesst, und man sich mehrere spieltage hintereinander im mittelmass wiederfindet. dann, wenn die euphorie der mannschaft aufgehoert hat, die beine zu tragen und sich doch so mancher profi aus hoffenheim zu einem grossen verein wuenscht, da die dankbarkeit fuers geld vor den 12.000 einsamen seelen ergraut, die von 800 gaestefans niedergeschrien werden – so wie bei jedem heimspiel. dann wird man auch in hoppenheim erkennen, dass man die herzen nicht kaufen kann, weder die der zuschauer noch die der profis, ganz gleich welches marketingkonzept dahintersteht.

marketing, ein gutes stichwort. wirklich gut, was die herren im kraichgaudorf vom herrn hoeness gelernt haben. doch hinkt der vergleich. natuerlich bekommt herr hoeness erstmalig ob des anderweitig verfuegbaren kapitals in liga 1 schlaflose naechte, doch bleibt er herr und meister des fachs. denn er hat geschafft, was hoffenheim nie schaffen wird: aus eigener kraft ein vermoegen. mit startkapital von 180 millionen euronen: wo waere der fc bayern denn dann heute? und ja, es sind 180 millionen, ueber die jahre hinweg seit der kreisliga und das stadion mit eingerechnet. wann soll denn da der break even kommen? glaubt man herrn hopp, dann weiss man, dass er luegt. es geht nur ums denkmal, um das „ich-habe-es-geschafft“, und sonst um nichts. die spieler dort denken sich das eines tages auch noch. „ich habe es geschafft“, von hoffenheim nach mailand zu kommen, raus aus dem mittelmass.