spanien ist europameister

es war kurz nach halb sieben am gestrigen abend und die tor zum public viewing auf dem heidelberger uniplatz wurden bereits wieder geschlossen. 7200 menschen, tausende noch davor. die innenstadt war zuvor bereits uebersaet mit menschen in deutschen farben, ganz wenige spanier waren darunter gemischt. die anspannung war nur einem teil ins gesicht geschrieben, die masse bewegte sich im elan eines modetrends ohne jemals zuvor (oder vor der wm06) ein stadion von innen gesehen oder freiwillig gegen einen ball getreten zu haben.

die bierversorgung lief prima. zahlreiche gastronomiebetriebe sorgen schnell und zuverlaessig fuer die eigene umsatzgenerierung. selbst mobile bierdienste sind unterwegs, schlangen sind die ausnahme. im gegensatz zu den toiletten! wie presse ich einen elefanten durch ein mauseloch? genau so hatte sich die wartende menge gefuehlt, die gestern abend auf dem uniplatz ihren beduerfnissen in puncto stoffwechselprozess nachgehen wollte. ein eingang mit drei urinalen fuer 7200 menschen. der profit siegte und die menschen litten – so ist das nunmal im kapitalismus…

ob ballack jetzt spielte oder nicht war mir zu diesem zeitpunkt recht egal. ich machte noch ein paar abfaellige bemerkungen, dass der „ewige zweite“, der wieder mal ein schlechtes vorzeichen vor ein endspiel setzte, ruhig auf die tribuene koenne. was folgte war die geschichte eines traums, der recht schnell zerplatzte.

zu keinem zeitpunkt des spiels fand die dfb-elf ins spiel. und dies lag nicht etwa an den spaniern, denen am gestrigen abend eine durchschnittliche leistung genuegte, sondern eher an der eigenen uninspiriertheit. ich weiss nicht, ob ich das kollektiv als solches schelten sollte, aus diesem grund werde ich mich an einer einzelkritik (em-umfassend) versuchen, um zu erklaeren, was dieser mannschaft gestern fehlte.

jens lehmann:
das kalkuel loews ging auf. lehmann brauchte ein bis zwei spiele in der vorrunde um die noetige spielpraxis zu bekommen. die oeffentliche kritik verstummte und lehmann war wieder der herr im tor. tolle reflexe und nicht im mindesten 38 jahre alt. beeindruckende em-leistung. note 1,5.

robert enke:
ohne einsatz.

rené adler:
ohne einsatz.

marcell jansen:
zunaechst gesetzt links in der kette. spielte dann – sagen wir – desastroes in der rueckwaertsbewegung und im zeikampfverhalten defensiv. war die sicherheitsluecke schlechthin und ueberstrahlte alle patzer der anderen. spielte sich damit aus der mannschaft und ist einer der kleinen verlierer, da keine alternativen in der hinterhand sind. note 4,5

arne friedrich:
wer kann unerkannt einkaufen gehen? arne und ich. er sieht aus, spielt und wirkt wie er heisst. kam ins team, da jansen raus war und lahm nach links wechseln musste und fritz sich nicht gerade aufdraengte. machte seine sache dann unauffaellig, unaufgeregt und beinahe teilnahmslos. zum schluss zwar gesetzt aber irgendwie auch ohne zukunft. note 3,5

clemens fritz:
hatte eine fruehform, die dann rapide nachliess. war zunaechst gesetzt und taugte gegen ende nicht mal mehr als einwechselspieler. schade fuer ihn, aber letzten endes wurde er auch ein wenig opfer der systemumstellung und des zusaetzlich veranschlagten mittelfeldplatzes fuer podolski. auf jeden fall reif fuer die zukunft. note 3,5

heiko westermann:
ohne einsatz.

philipp lahm:
er ist das wechselgesicht der deutschen elf bei dieser em. so durchwachsen wie er spielte keiner. mal weltklasse und mal kreisklasse. aber nicht nur von spiel zu spiel, sondern gar innerhalb von neunzig minuten. mit vielen schwaechen in der defensive war er in der kette hinten kein leistungstraeger mehr am ende und blieb nur mangels alternativen im team. das gegentor im finale geht voll auf seine kappe! offensiv nicht immer konsequent, dafuer aber mit einzelnen hoehepunkten. bleibt natuerlich in der kette. note 3.

per mertesacker:
spielte wie in bremen diese saison: einen patzer pro spiel musste man ihm zugestehen. dummerweise waren es diesmal mehrere. waehrend metzelder sich steigerte baute er zusehends ab. war die saison zu lang? wie kann ich mit 2m koerpergroesse gegen 1,70m nicht jeden kopfball gewinnen? ganz einfach – schlechtes stellungsspiel. und das kam viel zu oft vor. ist aber auch noch in der entwicklung und wird bestandteil der kette bleiben. note 4,5.

christoph metzelder:
steigerte sich etwas im turnierverlauf. doch kann man nicht immer alles auf fehlende spielpraxis schieben, was metze da fabrizierte. langsam im antritt und seine offensivausfluege sind vor allem bei den teamkameraden gefuerchtet, da der ballverlust und damit der konter vorprogrammiert sind, bei dem sein platz hinten leer steht. fuer mich in zukunft keine alternative mehr. hat sich ausgemetzt. note 5,5.

simon rolfes:
kam dank systemumstellung rein und machte seine sache gegen portugal sehr gut – hatte ja auch nichts zu verlieren. im naechsten spiel dann nervoes und zum glueck zur halbzeit raus. im fehlt komplett der internationale vergleich, aber den bekommt er ja in leverkusen diese saison aucht nicht. vielleicht eine zukunftsoption. note 4.

bastian schweinsteiger:
draussen, drinnen, rot, draussen, drinnen. schlecht, grauenvoll, formidabel, geht so, ganz schlecht. das war die formkurve von deutschlands nummer 7. wirkt, als koenne er nur spielen und wuerde dem ueber taktik redenden trainer nie zuhoeren, weil er es sowieso nicht versteht. immer eine alternative oder ein fiasko im mittelfeld. gegen portugal baerenstark, gegen spanien der spielverzoegerer wie in der vorrunde. ganz schlimm. aber mit potenzial, da jung genug. note 3,5.

torsten frings:
mr. lethargisch hat sich auch irgendwie rausgespielt. die systemumstellung mit zwei sechsern, der rippenbruch, das chefgehabe, das ihm keiner abnimmt, die loecherstopfereien ohne schnelle spieleroeffnung, alibipaesse und schlechte standards. auch einer der verlierer dieses turniers, da er wahrscheinlich seinen stammplatz komplett los ist. note 5.

michael ballack:
durchwachsen aber unverzichtbar als integrationsfigur. zumindest bisher. doch das team muss sich langsam von seinem kapitaen emanzipieren, der jetzt auch in die jahre kommt. hat vielleicht die beste saison seines lebens hinter, konnte aber die form nicht durchweg halten und kroente das turnier mit einem weiteren zweiten platz in seiner karriere. kaempferisch ein vorbild, muss aber wissen, wann er auhoeren muss – sowohl im spiel, als auch mit der ganzen karriere. note 3.

piotr trochowski:
ohne einsatz (zum glueck).

thomas hitzlspeger:
dank umstellung ins team gekommen und geblieben. waere auch sonst meine alternative fuers linke mittelfeld, weil poldi dorthin verschenkt wurde. hat erstaunliche jahre der entwicklung hinter sich und ist definitiv einer der gewinner dieser em. zukunftstraechtig, sobald er die kleinen (aber wichtigen) ballverluste in der vorwaertsbewegung abstellen kann. note 2,5.

tim borowksi:
ein kurzeinsatz ohne aussagekraft.

david odonkor:
was macht der loew denn da? das fragte ich mich schon vor dem turnier. dieser talentlose halbfussballer, der besser leichtathlet geworden waere, stand schon wieder im kader und spielte auch noch. doch war der sprinteffekt jetzt jedem gegner bekannt und somit wirkungslos. fussballerisch ebenso unterprivilegiert wie nutella-kevin, doch dazu spaeter mehr. ist raus, raus und endgueltig raus aus dem team. tschuess. note 6.

mario gomez:
war nicht mal stets bemueht. amateurhaft verstolperte er selbst die dicksten chancen. kriegt den kopf nicht frei und stammt fussballerisch aus der gleichen schule wie nutella-kevin, was leider viel zu oft zu sehen ist. deshalb auch fuers aufbauspiel mehr als ersetzlich. vielleicht braucht er noch, vielleicht warens die wechselgeruechte vielleicht ist er aber auch ein „zwei-gute-saisons-und-aus-spieler“. ich weiss es nicht. einer der mega-em-verlierer und vorerst mal raus. note 6.

oliver neuville:
hat er gespielt? warum nimmt er den mann denn mit? fuer verdiente luxemburgische wahl-schweizer ein ausflug nach hause? nein ehrlich. tschuess oli, will dich sowieso nicht mehr sehen.

miroslav klose:
der killerinstinkt frueherer tage ist weg. immer bemueht reisst er loecher und kaempft fuers team. weltklasse war er ja noch nie, er machte nur einzelne spiele in der kategorie. ist mittelfristig raus, auch wenn er nicht zum abfall gehoerte. dennoch blass und sein gesichtsausdruck steht exemplarisch fuer das spiel der elf im finale. note 3,5.

lukas podolski:
wieder mal ein gewinner. poldi musste zunaechst seinen stammplatz im sturm fuer gomez raeumen (wer macht denn sowas?), war dann aber zu gut fuer die bank und verschob schweinsteiger aus dem linken mittelfeld dorthin. defensiv nicht immer gut, ist aber auch nicht seine domaene. offensiv stark und schussgewaltig wie frueher, explosiv im anzug. topscorer wurde er noch dazu. jetzt noch zurueck nach koeln und deine karriere is gesichert, poldi. note 2.

kevin kuranyi:
hats jetzt jeder gesehen? der mann is raus. nutella-kevin gehoert zu den schlechtesten fussballern des landes, ehrlich. alle zwei jahre landet er vier monate im strafraum, wird angeschossen und macht zehn tore in acht spielen. damit rechtfertigt irgendwie seit jahren jeder die aufstellung dieses voellig talentfreien antifussballers. wurde ab und an eingewechselt, bleib aber vollkommen wirkungslos. wurde im spielberichtsbogen finale aber doch noch erfasst: gelbe karte. verzockt und weg damit. note 6.

jogi loew:
ist er der neue, bessere klinsmann oder macht er da weiter? taktisch ja, psychologisch nein. jogi fehlt die impulsivitaet von juergen. ihm fehlt das, was die letzten 2 bis 3 % ausmacht, der letzte kick. mit einwechslungen und kaderzusammenstellung auch eher ungesegnet. letzten endes aber immer noch die beste wahl in puncto taktik und kopf durchdruecken. viel glueck weiterhin, jogi. und wenn du mal nen rat brauchst – schreib einfach;)